Der Druck auf den Düsseldorfer Verpackungsspezialisten steigt: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin hat angekündigt, eine bereits laufende Bilanzkontrolle bei Gerresheimer auszuweiten und zusätzlich noch ein weiteres Prüfverfahren zu starten. Mit der SDAX-Aktie geht es weiter bergab.
Die Behörde, die bereits den Gerresheimer-Geschäftsbericht 2023/24 prüft, will sich nun auch den Zeitraum vom 1. Dezember 2024 bis zum 31. Mai 2025 vornehmen. Dabei geht es unter anderem um mögliche Fehler bei Leasingverbindlichkeiten, Nutzungsdauern, Wertminderungen und Risikoangaben zur Übernahme des italienischen Unternehmens Bormioli im Jahr 2024.
Bislang hatte die BaFin ihr Augenmerk auf die sogenannten „Bill-and-hold“-Geschäfte gerichtet. Dabei wird Ware fakturiert, bleibt aber zunächst beim Verkäufer und wird erst später ausgeliefert. Das ist rechtens, aber nur unter strengen Vorgaben, damit Ergebnisse nicht durch vorgezogene Buchungen geschönt werden.
Am Markt steigt das Misstrauen. Gerresheimer hatte erst kürzlich die eigentlich für heute geplante Veröffentlichung der Jahreszahlen 2025 auf unbestimmte Zeit verschoben. Die SDAX-Aktie rutschte am Donnerstag zeitweise zweistellig ab. Sogar das Rekordtief von etwa 13 Euro aus dem Jahr 2009 rückt nun wieder in Sichtweite. Dagegen ist das Rekordhoch aus dem Herbst 2023 bei über 122 Euro rund 87 Prozent entfernt.
Auch im Tagesgeschäft läuft es nicht. Als Zulieferer für Injektionssysteme hatte das Unternehmen lange vom Boom der Abnehmspritzen profitiert. Doch diese Medikamente sind zunehmend als Pille erhältlich. Zudem ist Gerresheimer hoch verschuldet. Unter anderem mit dem Verkauf der US-Tochter Centor hofft das Unternehmen, seine Finanzlage zu verbessern. Doch Analysten zweifeln: Die UBS etwa stufte den Titel jüngst auf Verkaufen ab.
Fazit
Rätselraten um die finanzielle Stabilität, Fragezeichen hinter der Glaubwürdigkeit und operative Schwäche: Anleger machen um die Gerresheimer-Aktie besser einen großen Bogen.
Enthält Material von dpa-AFX