Für Evotec-Aktionäre ist es ein rabenschwarzer Dienstag. Das TecDAX-Papier bricht am Vormittag auf den tiefsten Stand seit fast zehn Jahren ein und reißt die Marke von fünf Euro. Ein umfassendes Restrukturierungsprogramm soll den Hamburgern langfristig Milliardenpotenzial erschließen, doch die Börse ist nicht überzeugt.

Das neue Programm nennt sich „Horizon" und sieht eine grundlegende Vereinfachung der Konzernstruktur vor. Evotec, ein Spezialist, der Wirkstoffe für die Pharmaindustrie erforscht und entwickelt, will Kernkompetenzen künftig in fokussierten Exzellenzzentren bündeln.

Parallel dazu soll die Zahl der Standorte innerhalb von zwei Jahren von 14 auf zehn sinken. Bereits seit 2024 hatte Evotec fünf Standorte dichtgemacht. Auch Einschnitte beim Personal sind geplant: Bis zu 800 Stellen werden gestrichen, was knapp einem Fünftel der Belegschaft entspricht.

Ende 2027 soll „Horizon" weitgehend abgeschlossen sein und Einsparungen von rund 75 Millionen Euro ermöglicht haben.

Vorstandschef Christian Wojczewski verspricht sich vom Umbau schnellere Entscheidungen, eine tiefere Integration sowie mehr Beweglichkeit gegenüber Kunden und Partnern. Bis 2030 soll der Konzernumsatz die Milliarden-Euro-Schwelle überschreiten, die bereinigte Ebitda-Marge 2028 bei 20 Prozent liegen und danach weiter steigen.

Der Weg dahin wird allerdings steinig. Für 2026, das Evotec ausdrücklich als Übergangsjahr bezeichnet, erwartet der Biotech-Spezialist einen Umsatz von lediglich 700 bis 780 Millionen Euro, der damit hinter den vorläufigen 788 Millionen Euro aus dem Jahr 2025 zurückbleiben würde.

Beim bereinigten operativen Ergebnis peilt der Konzern nur null bis 40 Millionen Euro an. Insbesondere beim Umsatzziel hatten Analysten deutlich mehr auf dem Zettel, was die negative Kursreaktion erklärt.

Die endgültigen Jahreszahlen für 2025 sowie weitere Details zum mittelfristigen Ausblick will Evotec am 8. April 2026 präsentieren.

Immerhin: Das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 verlief operativ besser als erwartet. Das bereinigte Ebitda verdoppelte sich nahezu auf 41 Millionen Euro, nach 22,6 Millionen Euro im Vorjahr.

Dass der Markt dennoch so unversöhnlich reagiert, könnte auch mit dem angeschlagenen Ruf des Unternehmens zu tun haben. Ein Cyberangriff im Jahr 2023, der überraschende Abgang von Langzeit-CEO Werner Lanthaler Anfang 2024 inmitten eines Skandals um nicht gemeldete Insider-Deals sowie eine Serie von Prognosesenkungen haben das Anlegervertrauen nachhaltig erschüttert.

Optimistisch gibt sich derweil die kanadische Bank RBC, die ihr „Outperform"-Votum mit einem Kursziel von 10 Euro bestätigt und in „Horizon" eine sinnvolle Vereinfachung des Konzerns sieht.

Evotec (WKN: 566480)

Fazit

Das Chartbild ist eindeutig: Anleger halten sich fern, so lange keine nachhaltige Trendwende in Sicht ist.