Die größte US-Bank JP Morgan hat mit ihren Zahlen zum vierten Quartal den Startschuss in die US-Berichtssaison gegeben. Beim Branchenprimus sorgte die Übernahme der Apple-Kreditkartenpartnerschaft von Goldman Sachs im Schlussquartal 2025 für einen Gewinnrückgang. Doch ohne diesen Sondereffekt übertrafen die Zahlen die Erwartungen der Analysten.
Mit der Übernahme der Apple-Kreditkartenpartnerschaft baut JP Morgan das strategisch wichtige Kreditkartengeschäft aus. Für mögliche Kreditausfälle mussten dafür aber mehr als zwei Milliarden Dollar Rückstellungen gebildet werden. Dies führte im vierten Quartal 2025 zu einem Gewinnrückgang auf 13 (Vorjahr: 14) Millliarden Dollar, so dass die Bank auch im Gesamtjahr unter dem Strich mit 57 Milliarden Dollar zwei Prozent weniger verdiente als 2024. Ansonsten fielen die JPMorgan-Zahlen besser aus als von Analysten erwartet. So kletterte der Jahresumsatz um drei Prozent auf 182 Milliarden Dollar, der Zinsüberschuss auf 103 Milliarden Dollar.
Nachdem JP Morgan bereits heute veröffentlicht hat, folgen am Mittwoch (14.1.) Bank of America, Citigroup und Wells Fargo, am Donnerstag (15.1) die großen Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley. Insgesamt sind die Erwartungen des Marktes an die Zwischenberichte der US-Banken moderat, es könnte also weiter Raum für positive Überraschungen geben.„Der Ausblick auf eine robuste Konjunktur im Jahr 2026 sowie eine steilere Zinskurve dürfte ein unterstützendes Umfeld für Banken schaffen, da dies tendenziell die Nettozinsmargen begünstigt", erläuterte eToro-Marktanalyst Maximilian Wienke gegenüber €uro am Sonntag. „Zudem bleiben Kapitalmarkterträge ein wichtiger Wachstumstreiber, insbesondere aus Trading sowie dem Investmentbanking."
Banken lieferten zudem einen wichtigen Echtzeit-Indikator für die Gesamtwirtschaft. „Anleger sollten darauf achten, wie stabil die Kreditrisiken sind, wie sich der Zustand des US-Konsumenten darstellt und wie die Kreditqualität eingeschätzt wird", sagt Wienke. „Schließlich machen Konsumausgaben rund zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung aus."
Auch mögliche Deregulierungsvorhaben der US-Regierung könnten in diesem Jahr bei den großen Geldhäusern positive Impulse setzen. So plant Washington unter anderem Kapitalerleichterungen, um die Kreditvergabe zu fördern und die Konjunktur anzutreiben. „Für den US-Finanzsektor stellen Dereglulierungsmaßnahmen einen möglichen zusätzlichen Treiber für 2026 und darüber hinaus dar, deutlich weniger für Europa", erläutert eToro-Experte Wienke. „Deregulierung wirkt langfristig und strukturell, kann die Ertragskraft unterstützen und Flexibilität erhöhen. Eine zu weitgehende Deregulierung birgt auch Risiken. Sie kann systemische Instabilität fördern und zu einem Rückgang der Transparenz führen."
Bei den Investmentbanken werden Aussagen zur weiteren Entwicklung insbesondere der M&A-Aktivitäten und der Börsengänge sowie der Vermögensverwaltung erwartet. Auch hier sind die Prognosen moderat positiv. So dürfte Goldman Sachs von einem globalen Wiederaufleben der Megadeals (M&A) profitiert haben, wobei die Bank 2025 erneut eine führende Marktposition einnahm. Das Jahr 2025 markierte das Ende einer „Deal-Wüste" der vorangegangenen beiden Jahre. Bei einem globalen M&A-Volumen von mehr als fünf Billionen Dollar im Jahr 2025 dürfte Goldman Sachs ein Hauptprofiteur dieses Trends sein.
Fazit
Von der Entwicklung der US-Banken dürften zudem wichtige Signale insbesondere für die Deutsche Bank ausgehen, die im Investmentbanking vor allem im internationalen Anleihen- und Währungsgeschäft vertreten ist, aber auch bei M&A und Börsengängen mitmischt. So hat das Anleihen- und Währungsgeschäft bei JP Morgan besser abgeschnitten als erwartet.
Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat unterdessen bei einem Empfang des Geldhauses in Berlin vor einer dauerhaften Wirtschaftsflaute in Deutschland gewarnt. „Ohne tiefgreifende Reformen riskieren wir, dass das Potenzialwachstum in Deutschland bis Ende des Jahrzehnts auf null sinkt", sagte Sewing. „Das wäre der Beginn einer strukturellen Stagnation - einer Ära ohne Wachstum. Und jeder kleine Rückschlag würde eine Rezession bedeuten." Sewing forderte „mehr Tempo von der Politik und auch mehr private Initiative".