Der angekündigte Börsengang des Rüstungszulieferers Vincorion soll bereits in der kommenden Woche stattfinden. Weitere Details zum Angebot hat das Unternehmen heute bekanntgegeben. Die Angebotsfrist für die Papiere beginnt bereits am Montag. Das Umfeld für Rüstungs-IPOs bleibt günstig.
Vincorion und sein Hauptaktionär drücken aufs Gaspedal: Vor einer Woche hat der Anbieter von Energie- und Mechatroniklösungen in den Bereichen Verteidigung und Luftfahrt seinen Börsengang offiziell angekündigt. Vorbehaltlich der Marktbedingungen sollte dieser noch in der ersten Jahreshälfte erfolgen. Spekulationen gingen bereits von einem möglichen Termin noch vor Ostern aus. Nun ist klar: Es soll bereits in der kommenden Woche so weit sein.
Wie das Unternehmen am Freitag bekanntgab, wird die Angebotsfrist bereits am Montag (16. März) beginnen und voraussichtlich am 19. März enden. Erster Handelstag in Frankfurt soll der kommende Freitag (20. März) sein.
Angebotspreis bei 17 Euro
Offeriert werden, einschließlich Anteilen für eine mögliche Mehrzuteilung, bis zu rund 20,3 Millionen Anteile aus dem Bestand des Hauptaktionärs Star Capital. Die Private-Equity-Firma erwarb Vincorion 2022 vom künftigen MDAX-Mitglied Jenoptik.
Der Angebotspreis wurde auf 17 Euro pro Aktie festgelegt. Die Ankerinvestoren Fidelity, Invesco und T. Rowe-Price haben zugesagt, Anteile für etwa 105 Millionen Euro zu werben. Star Capital wird nach dem IPO ein bedeutender Aktionär bleiben. Bei vollständiger Ausübung der Greenshoe Option (Option zur Ausgabe zusätzlicher Papiere zum Zweck der Stabilisierung des Kurses) sollen so bis zu rund 345 Millionen Euro eingesammelt werden. Vincorion selbst fließt davon kein Geld zu. Auf Basis des Angebots kommt das Unternehmen auf einen Börsenwert von 850 Millionen Euro.
Gefragtes Sortiment
„Das große Interesse sowie die verbindlichen Zusagen unserer Cornerstone-Investoren bestätigen unsere Positionierung inmitten des Sicherheits- und Verteidigungssektors“, sagte Vincorion-Chef Kajetan von Mentzingen. Zum Produktportfolio gehören beispielsweise Energiesysteme für bodengebundene Luftabwehr wie das Patriot-System. Dazu ist Vincorion Zulieferer für militärische Fahrzeuge wie den Kampfpanzer Leopard 2 oder den Schützenpanzer Puma, bietet für solche Fahrzeuge vor allem Generatoren sowie Systeme zur Stabilisierung von Türmen und Waffen. In der militärischen und zivilen Luftfahrt umfasst das Angebot neben Energiesystemen zum Beispiel hydraulische Rettungswinden für Helikopter.
Im abgelaufenen Jahr setzte Vincorion rund 240 Millionen Euro um. Rund die Hälfte davon entfiel auf Wartungsdienste und Ersatzteile nach dem Erstverkauf. Für den Zeitraum von 2023 bis 2025 weist der Konzern ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 22 Prozent aus. Dazu stand zum Jahreswechsel ein Gesamtauftragsbestand von etwa 1,1 Milliarden Euro.
Günstiges Umfeld für Rüstung
Das Umfeld für Rüstungs-Börsengänge bleibt (leider) günstig, auch wegen anhaltender geopolitischer Spannungen wie den Kriegen im Nahen Osten und in der Ukraine. Die ausgerufene „Zeitenwende“ mit massiven europäischen Investitionen in die Verteidigungsfähigkeit schafft die Aussicht auf mehr Aufträge.
Anfang der Woche ging bereits die Gabler Group an die Börse. Der Anbieter von Mastsystemen, Kommunikationssystemen und anderen Komponenten für U-Boote ist auf den Bereich Verteidigung fokussiert. Zu je 44 Euro wurden die Papiere im oberen Bereich der Spanne ausgegeben. Die ersten Handelstage verliefen durchwachsen, vor dem Wochenende notiert die Aktie im Bereich von 46 Euro. Mit dem deutsch-französischen Panzerbauer KNDS rollt absehbar bereits der nächste Börsengang im Bereich Rüstung heran.
Fazit
Vincorion und sein Hauptaktionär wollen das aktuelle Umfeld offenbar nutzen und den Börsengang sehr zeitnah vollziehen. Die Nachfrage seitens der Investoren dürfte hoch sein, wenngleich Berichte des Börsendienstes Bloomberg unter Berufung auf informierte Personen zuletzt eine Bewertung von mehr als einer Milliarde Euro für möglich hielten. Die Angebotsfrist für Interessierte soll am Montag beginnen. €uro am Sonntag wird über den geplanten Börsenauftakt am kommenden Freitag berichten.