Am Mittwoch fand in Wiesbaden die Commerzbank-Hauptversammlung statt. Vorstand und Aufsichtsrat warnten erneut vor den Risiken einer Übernahme durch die italienische Großbank Unicredit. Euro am Sonntag dokumentiert einige Kernfragen, die Fondsgesellschaften und Aktionärsvertreter heute an den Commerzbank-Vorstand und den Aufsichtsrat stellten.
• Was müsste passieren, damit Sie offene und vor allem freundliche Gespräche mit Unicredit führen könnten? Sie haben dies ja nicht ausgeschlossen.
• Hätte eine größere Europäische Bank auch Vorteile für Ihre Kunden, zum Beispiel durch mehr Diversifikation und Potenzial bei den Krediten, höhere Gewinnpuffer und eine bessere Aufstellung gegenüber globalen Wettbewerbern?
• Was wären die Risiken für den Mittelstand, wenn durch eine erneute Finanzkrise eventuell eine Kreditklemme eintreten würde?
• Wie müsste die Governance-Struktur aussehen, damit ein Zusammenschluss aus Ihrer Sicht heraus Sinn machen würde?
Und zum eigenen Spar- und Renditeprogramm der Commerzbank:
• Wie können Sie die Kosten bis 2030 nahezu unverändert halten?
• Es sollen rund 3.000 Mitarbeiter bis 2030 abgebaut werden. Wo und in welchen Bereichen soll dies vor allem stattfinden, und wie stellen Sie sicher, dass dies keine negativen Auswirkungen auf die Erträge hat?
• Wie stark tragen KI-Lösungen zur Kostendämpfung bei?
• Die Mittelstandsbank ist das Herzstück der Commerzbank. Die internationalen Standorte helfen dabei, die deutschen Unternehmen im Ausland zu begleiten, inklusive der Kunden aus der DACH-Region. Könnten Sie uns aufzeigen, warum dies so wichtig für die Commerzbank ist, da Unicredit hier eine andere Auffassung vertritt?
• Wie wollen Sie die Ertragseffizienz von derzeit sieben auf neun Prozent steigern?
• Was ist Ihre Annahme für das Kreditwachstum bis 2030?
• Welcher Teil aus dem steigenden Zinseinkommen resultiert aus dem Replikationsportfolio und wieviel macht das Kredit- und Depositenwachstum dabei aus?
Die Commerzbank hat zum Auftakt der Veranstaltung die Aktionäre vor einem Umtausch ihrer Aktien in Papiere der Unicredit gewarnt. Wer seine Aktien an die italienische Großbank verkaufe - und das auch noch unter Wert - handele sich erhebliche Risiken ein. Neben den großen Hürden für eine Umsetzung der Unicredit-Pläne müssten die Aktionäre als künftige Miteigentümer der Mailänder Bank auch deren hauseigene Probleme mittragen, warnte Commerzbank-Aufsichtsratschef Jens Weidmann bei der Hauptversammlung in Wiesbaden. Dazu zähle "ein erhöhtes Exposure gegenüber italienischen Staatsanleihen, eine deutlich höhere Quote notleidender Kredite und ein immer noch signifikantes Russlandgeschäft".
Fazit
Die Commerzbank-Aktionäre lobten die Kursentwicklung und den Transformationskurs der Commerzbank. Sie zeigten durchaus Verständnis für die Abwehrstrategie des Frankfurter Instituts gegen die Übernahmepläne von Unicredit und kritisierten teilweise auch das feindliche Vorgehen von Unicredit. Die Aktionäre hinterfragten allerdings auch, ob die Risiken eines Zusammenschlusses mit Unicredit nicht überzeichnet werden und ob eine größere europäische Bank nicht auch Vorteile bietet.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.