Die verbale Frontalattacke der italienischen Großbank Unicredit auf die Commerzbank zeigt Wirkung. Analysten heben ihre Kursziele und sehen die Aktie im Aufwind.

Nach der gestrigen Breitseite aus Mailand, bei der Unicredit das Geschäftsmodell der Commerzbank in Frage gestellt und eigene Renditeziele darüber gesetzt hat, sehen Analysten noch mehr Potenzial in der Commerzbank-Aktie. So hat die kanadische Bank RBC am Dienstag das Kursziel von 37 auf 43 Euro angehoben. Analystin Anke Reingen sieht den wachsenden Druck, den die Italiener ausüben, positiv für den Aktienkurs: Entweder die Commerzbank erziele die erwarteten Ergebnisse aus eigener Kraft, was zu einer weiteren Neubewertung der Aktie führen werde, oder die Unicredit werde die Gelegenheit zur Übernahme nutzen und so den Aktienkurs stützen.

Am Montag hatte Unicredit die Commerzbank-Führung scharf kritisiert und ihr vorgeworfen, "nicht ausreichend auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet zu sein und nur kurzfristige Ergebniserfolge" anzustreben. Unicredit-Chef Andrea Orcel warf den Frankfurtern insbesondere strategische Defizite vor und mahnte strukturelle Änderungen an. Insbesondere sollte sich die Commerzbank auf ihr Stammgeschäft in Deutschland und in Polen fokussieren und ihr ineffizientes internationales Geschäft zurückfahren. Zudem kündigte er eigene Sparpläne an, die den Abbau von 7500 Stellen zur Folge hätten. Die Eigenkapitalrendite soll dadurch bis 2028 auf bis zu 19 Prozent statt der von der Commerzbank selbst angepeilten 15 Prozent steigen. 

Die Commerzbank hatte höhere Gewinnziele sowie Strategie-updates bei der Zahlenvorlage am 8. Mai bereits in Aussicht gestellt. Vorstandschefin Bettina Orlopp hatte sich zuvor nach Gesprächen mit der Unicredit-Führung weiterhin skeptisch zu einer möglichen Übernahme durch die Italiener geäußert. Dabei bezog sie sich erstmals auf große Differenzen über Fragen der Bewertung der beiden Institute. „Unsere Meinungen gehen stark auseinander, beginnend mit der Bewertung der beiden Unternehmen und dem Umtauschverhältnis“, sagte sie am Freitag gegenüber dem Finanznachrichtendienst Bloomberg. 

Die Commerzbank wies noch am Montag die neuen Angriffe von Unicredit zurück und sprach von "anhaltend feindlicher Taktik und irreführenden Darstellungen, "die das für das Bankgeschäft notwendige Vertrauen und die Interessen aller Stakeholder untergraben".  Die Mailänder versuchten, das "erfolgreiche Geschäftsmodell der Commerzbank aufzubrechen". 

Unterdessen hat auch Barclays am Montag die Commerzbank-Aktie von Halten auf Kaufen hochgestuft und das Kursziel von 36 auf 42 Euro angehoben.

Fazit

Die Unicredit-Attacke kommt unmittelbar vor der außerordentlichen Hauptversammlung der italienischen Großbank am 4. Mai. Für die neuen Stammaktien, die Unicredit als Übernahmewährung bei der Commerzbank-Offerte dienen sollen, benötigt Orcel grünes Licht von den Aktionären. Unicredit hält inzwischen knapp 30 Prozent der Commerzbank-Anteile. Mit der Attacke macht Orcel klar, dass er im Übernahmekampf nicht lockerlassen wird. 

Commerzbank (WKN: CBK100)

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Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.