Im Übernahmekampf mit Unicredit setzt sich das Frankfurter Institut höhere Ziele und verschärft den Sparkurs. Jüngste Orcel-Äußerungen sorgen für Ärger: „Das ist der Vorstand eines deutschen DAX-Unternehmens und keine Zirkusponys in einer Manege“, sagte Vize-Aufsichtsratschef Sascha Uebel.

Angesichts der Übernahmepläne der italienischen Großbank Unicredit hat die Commerzbank ihren Sparkurs nochmals verschärft und sich höhere Gewinnziele gesetzt. So sollen bis 2030 zusätzlich zu den bereits angekündigten Einsparungen weitere 3000 Stellen wegfallen.

Die Bank hat im ersten Quartal ihren operativen Gewinn um zehn Prozent auf 1,36 Milliarden Euro und den Überschuss ebenfalls um zehn Prozent auf 913 Millionen Euro gesteigert und damit die Erwartungen der Analysten übertroffen. Für 2026 erwartet die Bank jetzt einen Überschuss von mindestens 3,4 Milliarden Euro, 200 Millionen Euro mehr als bislang geplant.

Bis 2028 soll das Ergebnis stärker als zuvor geplant auf 4,6 Milliarden steigen, 2030 sollen dann 5,9 Milliarden Euro unter dem Strich stehen. Bis 2030 soll eine Nettoeigenkapitalrendite von 21 Prozent und eine Cost-Income-Ratio von 43 Prozent erreicht werden.

Unicredit hält derzeit direkt und indirekt bereits mehr als 35 Prozent an der Commerzbank und hatte am Dienstag ein Tauschangebot für die freien Aktionäre veröffentlicht (siehe Aktuellteil Seite 6 dieser Ausgabe). Für den Fall einer Übernahme will sie die Commerzbank umbauen und mit der deutschen Unicredit-Tochter HVB zusammenlegen.

Die Commerzbank kritisierte die Unicredit-Pläne am Freitag erneut. Das Tauschangebot biete keine Prämie, der kommunizierte Plan bleibe vage und berge erhebliche Umsetzungsrisiken.

Für Wirbel hatte ein Interview mit Unicredit-Chef Andrea Orcel in der €uro-am-Sonntag-Schwesterpublikation Börse Online gesorgt. Orcel hatte darin der Commerzbank-Führung Verweigerungshaltung vorgeworfen und den Vorstand erneut zu Gesprächen aufgefordert. Commerzbank-Vize-Aufsichtsratschef Sascha Uebel hatte dies zurückgewiesen. „Mir reicht es jetzt wirklich! Wo sind wir denn hier? Mitten in einem feindlichen Übernahmeangebot kommt nun die Aufforderung, dass der Vorstand wieder mit ihm sprechen soll, sonst erhöht er sein Angebot nicht“, sagte Uebel. „Das ist der Vorstand eines deutschen DAX-Unternehmens und keine Zirkusponys in einer Manege.“

Fazit

Die Commerzbank-Aktie lag nach den Zahlen und den neuen Zielen am Freitag Vormittag in einem negativen Gesamtmarkt rund0,8 Prozent im Plus. Barclays hat die Einstufung für Commerzbank  auf "Kaufen" mit einem Kursziel von 42 Euro belassen. Analystin Flora Bocahut attestierte dem Finanzinstitut laut Nachrichtenagentur dpa-afx ein gemischtes erstes Quartal. Gewinnseitig seien die Erwartungen zwar etwas übertroffen und umsatzseitig erfüllt worden, doch das Nettozinseinkommen und die Kernkapitalquote hätten die Erwartungen nicht erreicht. Die Ziele bis 2028 lägen dem Konsens nahe. Die Pläne für das Jahr 2030 wirkten ambitioniert.

Commerzbank (WKN: CBK100)

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.