Die italienische Großbank Unicredit will die Commerzbank übernehmen. Doch eine vollständige Konsolidierung der Frankfurter hätte für das Mailänder Institut fatale Folgen.
Das berichtet am Montag „Finanzszene“, ein führendes Newsportal für die deutsche Banken- und Fintech-Branche. Unicredit war im September 2024 bei der Commerzbank eingestiegen und hat ihre Beteiligung inzwischen auf knapp 30 Prozent ausgebaut.
Bislang bilanzieren die Italiener ihre Commerzbank-Beteiligung zu deren anteiligem Buchwert – eine gängige Praxis, die den Vorteil hat, dass damit die Verschuldungs- und Kapitalquoten der Italiener kaum tangiert werden.
Doch nun könnten Unicredit erhebliche finanzielle Belastungen drohen. Nämlich dann, wenn Unicredit ihre Anteile an der Frankfurter Großbank vollständig konsolidieren müsse, was immer wahrscheinlicher werde, schreibt "Finanzszene". „Die eigene Bilanz wüchse dann quasi eins zu eins um die Bilanz der Commerzbank, nicht nur bezogen auf die eigentliche Bilanzsumme, sondern für die Risikoaktiva, die Schulden und auch für das Eigenkapital würde dasselbe gelten“, schreibt „Finanzszene“.
Die Konsequenzen habe Unicredit vor einiger Zeit in einer Pro-Forma-Analyse selbst berechnet. „Die CET1-Ratio, also die harte Kernkapitalquote, schmölze um rund 200 Basispunkte ab. Gemessen an den zuletzt vermeldeten 14,7 Prozent (Stand Ende 2025) läge die Quote somit also bei unter 13 Prozent“. Fatale Folge laut „Finanzszene“: „Aus Unicredit würde eine der am schwächsten kapitalisierten Großbanken in ganz Europa.“
Bislang versucht Unicredit um dieses Szenario herumzukommen, das sich normalerweise ergibt, wenn ihre Beteiligung an der Commerzbank die 50-Prozent-Schwelle überschreitet. Doch laut „Finanzszene“ zeichne sich inzwischen ab, dass die Gefahr schon viel früher drohe.
Dies Befürchtungen liefern auch eine Erklärung, warum die Übernahmeofferte von Unicredit für die Commerzbank von März so niedrig und praktisch ohne Prämie ausgefallen ist. Unicredit will damit lediglich die 30-Prozent-Schwelle überschreiten, ohne sofort eine teure Vollübernahme stemmen zu müssen. Unicredit-Chef Andrea Orcel versucht so, die Belastung der eigenen Bilanz im Zaum zu halten.
Fazit
„Finanzszene“ hat berechtigterweise Zweifel, dass dieser Plan aufgeht. Denn nach internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS 10) ist für eine Konsolidierungspflicht der Begriff „Beherrschung“ maßgeblich, die ein Investor auch unterhalb der 50-Prozent-Marke erlangen kann, wenn er die faktische Macht über das Übernahmeobjekt besitzt. So hat Unicredit angesichts der breit gestreuten Aktionärsstruktur der Commerzbank bereits jetzt eine faktische Stimmenmehrheit auf der Hauptversammlung. Unicredit betont bisher allerdings, keine Kontrolle über die Commerzbank anzustreben.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.