Nach Spitzengesprächen mit Unicredit sieht die Commerzbank-Führung erhebliche Differenzen in Bewertungsfragen und dem künftigen Geschäftsmodell. Höhere Gewinnziele der Frankfurter am 8. Mai erwartet.

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat sich erneut kritisch über ein mögliches Zusammengehen mit der italienischen Großbank Unicredit geäußert. Dabei bezog sie sich erstmals auf große Differenzen über Fragen der Bewertung der beiden Institute. „Unsere Meinungen gehen stark auseinander, beginnend mit der Bewertung der beiden Unternehmen und dem Umtauschverhältnis“, sagte sie gegenüber dem Finanznachrichtendienst Bloomberg.

Zudem bestünden grundlegende Meinungsverschiedenheiten über das künftige Geschäftsmodell. Finanzchef Carsten Schmitt äußerte sich in diesem Zusammenhang ebenfalls ablehnend gegenüber Fusionsplänen. Insidern zufolge befürchtet die Commerzbank Einschnitte in ihr weltweites Auslands-Filialnetz, das sie für essenziell hält, um die globalen Geschäfte der deutschen Wirtschaft zu begleiten.

Nach eigenen Angaben wickelt das zweitgrößte deutsche Geldhaus rund 30 Prozent des deutschen Außenhandels ab. Sie arbeitet dabei mit eigenen Niederlassungen in mehr als 40 Ländern und mit rund 1300 Kooperationsbanken zusammen.

Unicredit war im Herbst 2024 bei der Commerzbank eingestiegen und ist mittlerweile mit knapp 30 Prozent an dem Frankfurter Institut beteiligt. Ein im März vorgelegtes Übernahmeangebot soll lediglich dazu dienen, die 30-Prozent-Marke überschreiten zu können, ohne die Kontrollmehrheit zu erlangen.

Fazit

Orlopp und Schmitt zeigen sich nach den Gesprächen mit Unicredit-Chef Andrea Orcel weiter gesprächsbereit. Man prüfe, „ob es für uns einen eigenständigen Weg nach vorn gibt - oder Optionen, die unser größter Aktionär anbieten könnte und die für unsere Kunden und Investoren vorteilhafter wären“, heißt es dazu. Derzeit sei dies aber nicht der Fall. Unicredit bezweifelt dagegen, dass die Commerzbank-Führung überhaupt zu größeren Anpassungen bereit ist. 

Unterdessen hat die Deutsche Bank  das Kursziel für die Commerzbank von 38 auf 40 Euro angehoben und die Einstufung auf "Kaufen" bestätigt. Man sei optimistisch für den Quartalsbericht und halte höhere Jahresziele für wahrscheinlich. Die Commerzbank legt ihre Quartalszahlen am 8. Mai vor, die Deutsche Bank am 29. April.


Commerzbank (WKN: CBK100)

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.