Im Übernahmekampf hat die italienische Großbank Unicredit ihren Commerzbank-Anteil weiter erhöht. Alle bekannten Positionen zusammengerechnet hätten die Italiener bereits die 50-Prozent-Schwelle überschritten. Doch diese Rechnung ist umstritten.

Die italienische Großbank Unicredit hat am Dienstag einen neuen Zwischenstand zu ihrer Commerzbank-Übernahmeofferte mitgeteilt, die seit dem 5. Mai läuft. Zum Stichtag 1. Juni wurden Unicredit demnach Commerzbank-Aktien, die 7,6 Prozent des Grundkapitals entsprechen, im Rahmen des laufenden Umtauschangebots angedient.

Einschließlich der zuvor gehaltenen 26,8 Prozent kommen die Italiener damit auf 34,4 Prozent und haben die wichtige 30-Prozent-Schwelle überschritten. Über Derivate mit Lieferanspruch kommen laut Mitteilung jetzt weitere 3,2 Prozent hinzu, über Derivate ohne Lieferanspruch 13,2 Prozent. Rein rechnerisch wäre man damit bei 50,8 Prozent und über der 50-Prozent-Schwelle. Allerdings gilt das nur mit Einschränkung:  Rechtlich besitzen diese Derivate derzeit  keine Stimmrechte, aber strategisch und faktisch gewähren sie Unicredit bereits die Kontrolle über mehr als 50 Prozent der Bank. Auch die Commerzbank hat sich zur Bewertung der Derivatepositionen zu Wort gemeldet - und deren Belastbarkeit in Frage gestellt. Den "gesicherten Zugriff" durch Unicredit hatte die Commerzbank zuvor auf 31 Prozent beziffert - allerdings noch vor der Unicredit-Meldung.

Fest steht jedenfalls: Die italienische Bank hält mit den bereits angedienten Commerzbank-Aktien inzwischen 34,35 Prozent direkt an der Commerzbank. Mit dem Tauschangebot sollte die 30-Prozent-Schwelle überschritten werden, ohne nach eigener Darstellung sofort die volle Kontrolle anzustreben. Deshalb strebt Unicredit auch keine hohe Annahmequote für sein Tauschangebot an. Das Ziel haben die Italiener auf jeden Fall erreicht.

Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank empfehlen ihren Aktionären, das Angebot nicht anzunehmen. Die Bank argumentiert, dass das Angebot keine angemessene Prämie enthalte und UniCredit keinen überzeugenden Integrationsplan vorgelegt habe. Die eigenständige Commerzbank-Strategie „Momentum 2030“ schaffe mehr Wert.

Fazit

Unicredit kreist sein Übernahmeziel Commerzbank immer stärker ein und erhöht mit der Beteiligungsquote auch den Druck auf das Commerzbank-Management. Rechtlich sind die von Unicredit gehaltenen Derivate ohne Lieferanspruch keine echte Beteiligung. Da Unicredit die Verträge jedoch flexibel steuern und sich die zugrundeliegenden Aktien nach dem Ende des Übernahmeangebots sichern könnte, werten einige Akteure auf dem Finanzmarkt diese Positionen bereits als de facto Zugriff auf die Mehrheit der Commerzbank. Unicredit-Chef Andrea Orcel habe sich dieser Interpretation zufolge die HV-Mehrheit für das Jahr 2027 strategisch bereits gesichert.

Commerzbank (WKN: CBK100)

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.