Unicredit-Chef Andrea Orcel sieht sich im Übernahmepoker mit der Commerzbank auf der Ziellinie: "Es gibt keine höhere Offerte, das Angebot ist fair". Bundesregierung gibt offenbar Widerstand auf.
Unicredit-Chef Andrea Orcel hat auf einer Konferenz der italienischen Bank Mediobanca eine Aufstockung der Übernahme-Offerte für die Commerzbank ausgeschlossen. Der Preis der noch bis 3. Juli verlängerten laufenden Offerte sei „fair“.
Gleichzeitig sieht sich der Unicredit-Chef im Übernahmepoker mit der Commerzbank praktisch auf der Ziellinie. „Es gibt keine Möglichkeit, die Bedingungen für die Übernahme zu ändern oder zu verbessern, aber es ist wahrscheinlicher als früher, dass wir die Kontrolle haben“, zitiert die „Börsenzeitung“ den Unicredit-Chef.
Mittlerweile kommt Unicredit einschließlich eingetauschter Derivate auf eine Beteiligungshöhe von 42,5 Prozent und verfügt laut Orcel damit de facto über eine Hauptversammlungsmehrheit. Das endgültige Ergebnis der Übernahmeofferte soll am 8. oder 9. Juli veröffentlicht werden.
Wie Filippo Alloatti, Head of Financials bei Federated Hermes, in einem Interview mit €uro am Sonntag erläuterte, strebt Orcel langfristig die vollständige Konsolidierung und die Verschmelzung der Commerzbank mit Unicredit an: „Diese Strategie umfasst auch ein Delisting der Commerzbank“, sagte Alloatti.
Orcel äußerte sich nicht zu einem möglichen Delisting der Commerzbank. Die Übernahme könnte für Unicredit allerdings noch etwas teurer werden. Denn Orcel erklärte am Mittwoch auch, dass es wahrscheinlicher geworden sei, dass die EZB-Bankenaufsicht feststellen werde, dass Unicredit die Kontrolle über die Commerzbank ausübe. Dafür müssten die Italiener dann mehr Kapital vorhalten.
Dazu sagte Federated-Hermes-Experte Alloatti: „Nach Berechnungen von Unicredit von Anfang des Jahres würde eine Vollkonsolidierung der Commerzbank die Kernkapitalquote (CET1-Ratio) um etwa 280 Basispunkte belasten. Das entspricht einem erheblichen Kapitalbedarf, der die Bilanz der Mailänder Bank schon belasten würde.“
Fazit
Unterdessen hat die Bundesregierung offenbar ihren Versuch aufgegeben, die Übernahme noch abzuwenden, und stellt sich darauf ein, dass Unicredit das deutsche Geldhaus übernimmt. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ am Donnerstag. Die Regierung konzentriere sich nun darauf, bei den Verhandlungen noch möglichst viel herauszuholen. Der Bund hält noch zwölf Prozent an der Commerzbank.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.