Während sich Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp von der Unicredit-Offerte überrumpelt fühlt, erklärt Deutsche-Bank-Chef Sewing, wie sein Institut vom Übernahmekampf um die Commerzbank profitieren will. 

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat sich zur Übernahmeofferte der italienischen Großbank Unicredit für die Commerzbank zu Wort gemeldet. Das größte deutsche Bankhaus werde vom Übernahmekampf profitieren, sagte Sewing. Sein Haus stehe bereit, neue Kunden an Bord zu nehmen, sagte der Vorstandschef auf einer Konferenz. Die Deutsche Bank denke in Szenarien und sei für weiteres Wachstum aufgestellt. „Wie immer es ausgehen wird, ich denke, dass wir in jedem Fall profitieren werden“, sagte Sewing wörtlich.

Die italienische Großbank Unicredit, die bereits knapp 30 Prozent an der Commerzbank hält, hatte am Montag ein Übernahmeangebot in eigenen Aktien angekündigt. Die Möglichkeit dazu hatte die Bank erst seit 22. Februar, nachdem eine entsprechende Frist abgelaufen war. €uro am Sonntag hatte auf diese Möglichkeit bereits am 24. Februar hingewiesen:

https://www.eurams.de/nachrichten/aktien/wichtige-frist-laeuft-ab-holt-sich-unicredit-jetzt-die-commerzbank-20395887.html

Laut Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp sei die Offerte überraschend gekommen und nicht abgestimmt gewesen. „Ich verstehe es nicht", sagte Bettina Orlopp laut dpa-afx in einer Telefonkonferenz mit Investoren. Das Vorgehen der Unicredit fühle sich für sie nach einem „taktischem Manöver an". Dies begründete die Managerin unter anderem damit, dass der Aufschlag im Vergleich zum aktuellen Marktwert der Commerzbank nur gering sei. Sie bekräftigte ihre ablehnende Haltung zu einer möglichen Übernahme.

Unicredit-Chef Andrea Orcel hat am Mittwoch die Offerte als Versuch dargestellt, zu einem "konstruktiven persönlichen Austausch mit allen Beteiligten" zu kommen, und die Situation zu klären. "Ziel ist es, die Patt-Situation zu überwinden", sagte Orcel laut Nachrichtenagentur dpa-afx auf einer Finanzkonferenz der US-Bank Morgan Stanley. Nötig sei ein "konstruktiver Dialog von Angesicht zu Angesicht" mit allen Beteiligten. In den vergangenen 18 Monaten habe man das versucht, es sei aber nicht gelungen. Orcel betonte, dass das Angebot auf alle Commerzbank-Anteile ziele. Nun habe man ein Fenster von 12 Wochen geschaffen für Gespräche. Ziel sei ein offenerer Dialog mit der Commerzbank, um Wertpotenziale zu heben. Er sei aber auch offen für andere Szenarien, wenn die Gespräche sich entsprechend entwickelten. "Wie auch immer es ausgeht, es wird eine Win-Win-Situation sein", sagte Orcel.


Seit der Unicredit-Offerte von Montag hat die Commerzbank-Aktie rund 14 Prozent zugelegt und notierte am Mittwoch bei 33,60 Euro. Unterdessen hat Barclays die Einstufung für die Commerzbank-Titel nach dem Auftritt der Konzernchefin auf Halten mit einem Kursziel von 36 Euro unverändert gelassen. Orlopp habe in der Unicredit-Offerte einen "technischen Schachzug" gesehen, um sie an den Verhandlungstisch zu zwingen. Laut Warburg Research (Halten-Empfehlung bei einem Kursziel von 34,80 Euro) deckt sich das Aktientauschangebot von Unicredit mit deren Anliegen, die Marktposition in Deutschland auszubauen. Nach dem Angebot könne Unicredit nun weitere Commerzbank-Aktien am Markt kaufen, ohne dafür aktienrechtliche Hürden beachten zu müssen, erläuterte Warburg-Analyst Andreas Pläsier.

Fazit

Deutsche-Bank-Chef Sewing bestätigte unterdessen auch die Jahresprognosen für sein Institut. Allerdings sei im ersten Quartal 2026 mit einer seitwärts gerichteten Entwicklung der Erträge zu rechnen. Vor allem die Erträge in der wichtigen Investmentbankingsparte könnten demzufolge „potenziell etwas niedriger“ ausfallen, warnte er. Sewing räumte zudem ein, dass es im Markt anhaltende Sorgen um die Qualität von Privatkrediten gebe. Diese Kredite stellten aber kein systemisches Risiko dar, sagte Sewing. Die Deutsche Bank verfolge strenge Zeichnungsstandards und habe noch keine Cent verloren.

Deutsche Bank (WKN: 514000)