Seit Sonntag darf Unicredit eine Komplettübernahme der Commerzbank mit eigenen Aktien bezahlen. Das erlaubt das deutsche Aktienrecht nach Ablauf einer Frist.  Auch Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp meldet sich zu Wort. 

Für ein mögliches Übernahmeangebot der italienischen Großbank Unicredit ist am Wochenende eine wichtige Frist abgelaufen: Seit 22. Februar dürfen die Italiener einen möglichen kompletten Erwerb der Commerzbank auch vollständig mit eigenen Aktien bezahlen.

Diese attraktive Option erlaubt eine Regelung im deutschen Übernahmegesetz. Sie gilt, wenn ein Käufer in den sechs Monaten vor der Übernahme nicht mehr als fünf Prozent der Aktien oder Stimmrechte der Zielgesellschaft in bar gekauft hat.

Unicredit hatte zuletzt im August 2025 eine nennenswerte Position von Commerzbank-Anteilen gegen Zahlung einer Geldleistung erworben. Derzeit hält Unicredit direkt 26 Prozent an dem Frankfurter Institut, und weitere knapp vier Prozent über Finanzinstrumente. Ab einer Beteiligungshöhe von 30 Prozent ist gesetzlich vorgeschrieben ein Übernahmeangebot an die übrigen Aktionäre fällig.

Der Bund als zweitgrößter Aktionär der Commerzbank (mit einer Beteiligung von rund zwölf Prozent) lehnt eine Übernahme allerdings ab. Auch der Commerzbank-Vorstand hatte sich immer wieder ablehnend geäußert.

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat auch am Wochenende nochmal die Eigenständigkeit der Bank betont. Mit Blick auf den Übernahmekampf mit der italienischen Bank Unicredit sagte Orlopp der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Größe allein ist kein Wert." Die unmittelbare Folge eines Zusammenschlusses wäre, dass sich eine größere Zahl von Firmenkunden eine neue Bank suchen würde. "Weil es ein Klumpenrisiko darstellt, wenn man zu viel Geschäft über eine einzelne Bank abwickelt."

Fazit

Ob Unicredit im Fall einer Offerte für die Commerzbank tatsächlich eigene Aktien anbieten würde, ist längst nicht sicher. Denn ob diese Option für Unicredit tatsächlich vorteilhaft ist, hängt sehr stark von der relativen Bewertung beider Aktien ab. So hat die Unicredit-Aktie im Dreimonatsvergleich deutlich stärker zugelegt als die Commerzbank. Im Zwölfmonatsvergleich liegt jedoch die Commerzbank-Aktie klar vorn. Commerzbank-Chefin Orlopp sagte zuletzt, sie rechne trotz der jetzt möglichen Option nicht mit einer Offerte von Unicredit.


Commerzbank (WKN: CBK100)

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