Gewinnsprung, Marktanteilsgewinne, starke Performance: Angesichts positiver Signale auf breiter Linie könnte das Institut vor einer grundlegenden Neubewertung an der Börse stehen.
Die Deutsche Bank hat mit einem Gewinnsprung im zweiten Quartal die Markterwartungen übertroffen und sieht sich auch im weiteren Jahresverlauf auf Kurs. So kletterte das Vorsteuerergebnis im zweiten Quartal um elf Prozent auf 2,68 Milliarden Euro – fast soviel wie im Rekordjahr 2007. Analysten hatten mit einem Rückgang gerechnet. Nach Steuern blieb ein Gewinnplus von zehn Prozent auf 1,64 Milliarden Euro, ebenfalls deutlich über den Erwartungen, die bei rund 1,4 Milliarden Euro lagen. Die Analysten der US-Bank JP Morgan sprachen von „starken Quartalszahlen auf der ganzen Linie“.
Vor allem das Investmentbannking trug fast die Hälfte zum starken Gewinnanstieg bei. Hier kletterte das Ergebnis um 60 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Vor allem im Anleihenhandel hat die Sparte sogar besser abgeschnitten als die US-Konkurrenz und konnte demzufolge auch Marktanteile gewinnen. Doch auch das Privatkundengeschäft und die Vermögensverwaltung wachsen. Flankiert wurden die guten Ergebnisse von einer moderaten Entwicklung bei Risikovorsorge und Kosten. Die Aktie reagierte auf die Zahlen mit Kurssprüngen bis sechs Prozent.
Konzernchef Christian Sewing bekräftigte, dass die Bank ihre Gewinnziele für 2030 übertreffen könne. So soll die Eigenkapitalrendite auf 13 (2. Quartal 2026: elf) Prozent steigen. Er verwies auf steigende Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben in Deutschland, Fortschritte bei künstlicher Intelligenz, die die Bank effizienter machen könnten, sowie auf den wachsenden “politischen Willen” europäischer Regulierungsbehörden, der Wettbewerbsfähigkeit von Banken mehr Gewicht einzuräumen.
Die Bank will Sewing zu einem „europäischen Champion im Bankgeschäft formen“. Mit einer Marktkapitalisierung von 58 Milliarden Euro spielt die Deutsche Bank gemessen am Börsenwert derzeit allerdings nur im Mittelfeld. Die spanische Großbank Santander hat mit 180 Milliarden Euro einen dreimal so hohen Börsenwert, die Branchenführer Intesa (Italien) und BNP Paribas (Frankreich) bringen mit 115 und 120 Milliarden Euro doppelt soviel auf die Waage.
Die Aktie setzte sich nach den Zahlen mit einem Plus von fünf Prozent auf bis zu 32,80 Euro an die DAX-Spitze. Seit ihrem Jahrestief bei 23,68 Euro im März hat die Deutsche-Bank-Aktie kräftig zugelegt. Ihr Jahreshoch von 34,24 Euro vom 6. Januar ist damit wieder in greifbare Nähe gerückt.
Deutschlands größte Bank kündigte zudem einen neuen Aktienrückkauf über 500 Millionen Euro an und bestätigte ihren Umsatzausblick für das Gesamtjahr. Sie sei “auf Kurs, in diesem Jahr eine starke operative Performance zu erzielen”.
Fazit
Die Quartalszahlen machen Hoffnung, dass die Deutsche-Bank-Aktie ihren Bewertungsabschlag zu anderen europäischen Geldhäusern reduzieren könnte. Im Investmentbanking baut das Institut seine Marktposition aus. Die Übernahme der Commerzbank durch Unicredit könnte wiederum im Firmenkundengeschäft neue Wachstumschancen eröffnen. JP Morgan sieht die Aktien vor einer Neubewertung und hält bis zu 30 Prozent Kurspotenzial für möglich.