Der Hamburger Wirkstoffhersteller ist bekannt für seine Kurskapriolen. Und erneut ist heute die Nervenstärke der Aktionäre gefordert: Im frühen Handel verliert Evotec zeitweise bis zu 20 Prozent. Das SDAX-Mitglied hatte gestern am späten Abend die Jahresziele für 2026 deutlich gesenkt.
Den Umsatz erwartet das Management von Evotec nun zwischen 570 und 610 Millionen Euro, nach bislang geplanten 700 bis 780 Millionen Euro. Beim bereinigten Ebitda erwarten die Hanseaten jetzt einen Verlust von 70 bis 105 Millionen Euro. Zuvor hatte Evotec ein ausgeglichenes Ergebnis bis zu einem Gewinn von 40 Millionen Euro in Aussicht gestellt.
Im vorbörslichen Handel rutschte die Evotec-Aktie unter die Marke von vier Euro und unterschritt damit das bisherige Jahrestief vom März. Auf diesem Kursniveau wurde das Papier zuletzt vor etwa zehn Jahren gehandelt.
Den größten Teil der Umsatzlücke begründet Evotec mit zeitlichen Verschiebungen. Bei bestehenden Partnerschaften fallen Meilensteinzahlungen später an als geplant. Die entsprechenden Erlöse sollen nun 2027 verbucht werden. Das erklärt nach Unternehmensangaben rund 40 Prozent der Abweichung. Weitere 45 Prozent entfallen auf neue strategische Kooperationen, die sich noch in Verhandlung befinden und deren Beiträge geringer ausfallen als ursprünglich angesetzt. Die restlichen 15 Prozent gehen nach Unternehmensangaben auf eine schwächere Umsatzrealisierung der Aufträge zurück.
Unterdessen weist Evotec auf eine verbesserte Entwicklung im Kerngeschäft hin. Die Forschungsdienstleistungen ohne Sondereffekte aus Partnerprogrammen legten im ersten Halbjahr um mehr als 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Auch die Biologika-Tochter Just Evotec Biologics verzeichnet nach Unternehmensangaben eine hohe Kapazitätsauslastung. Das Restrukturierungsprogramm Horizon liegt im Plan. Bis Ende 2027 soll die Kostenbasis um 75 Millionen Euro sinken.
Dennoch blieb Evotec mit den vorläufigen Halbjahreszahlen hinter den Markterwartungen zurück. Der Umsatz lag bei 300,1 Millionen Euro, das bereinigte Ebitda bei minus 42,7 Millionen Euro. Analysten bewerten die neue Prognose als weiteren erheblichen Rückschlag. Für eine Rückkehr des Marktvertrauens müsse Evotec dieFinanzberichterstattung verbessern, hieß es. Dazu gehörten verlässlichere Kennzahlen und detailliertere Prognosen.
Die Gewinnwarnung trifft Evotec in einer ohnehin angespannten Phase. Mitte April hatte die Aktie einen Höhenflug in Richtung der 6-Euro-Marke erlebt und dabei von der Ernennung einer neuen Betriebschefin profitiert. Wenige Wochen später drückte eine nicht vollständig platzierte Wandelanleihe über 125 Millionen Euro den Evotec-Kurs wieder unter fünf Euro.
Fazit
Evotec bleibt ein hochspekulativer Wert, den Anleger derzeit besser nicht anfassen.
Enthält Material von dpa-AFX