Lohnen sich die Milliarden, die Konzerne in Rechenzentren und KI-Infrastruktur stecken? Für den niederländischen Halbleiter-Ausrüster ASML durchaus. Das Unternehmen hat im zweiten Quartal alle Erwartungen übertroffen und die Jahresziele zum zweiten Mal binnen weniger Monate deutlich angehoben. Die im Euro Stoxx 50 notierte Aktie zieht an Richtung Rekordhoch bei 1741 Euro.
Der Umsatz des Herstellers von Spezialmaschinen kletterte auf 9,33 Milliarden Euro. Analysten hatten laut LSEG-Daten im Schnitt mit 8,80 Milliarden gerechnet. Der Nettogewinn stieg auf 2,92 Milliarden Euro und ließ die Konsensprognose von 2,62 Milliarden Euro weit hinter sich. Auch die Bruttomarge zog von 53 auf 54 Prozent an und übertraf die Expertenschätzungen.
Der Treiber hinter den starken Zahlen ist bekannt: Künstliche Intelligenz. Die Chip-Industrie investiert in einem Tempo, das selbst optimistische Beobachter überrascht. ASML als weltweiter Alleinanbieter von EUV-Lithografiesystemen hat dabei eine herausragende Marktposition, die der Wettbewerb den Niederländern kaum streitig machen kann. Die bis zu 300 Millionen Euro teuren Maschinen sind unverzichtbar für die Produktion modernster Chips.
Konzernchef Christophe Fouquet brachte die Lage auf den Punkt: „Unsere Kunden beschleunigen ihre Kapazitätsausbau-Pläne weiter und verschaffen ASML damit eine bessere Sicht auf die längerfristige Nachfrage." Der Auftragseingang im ersten Halbjahr war entsprechend außergewöhnlich stark.
Für das Gesamtjahr 2026 peilt das Unternehmen nun einen Umsatz zwischen 43 und 45 Milliarden Euro an. Das sind rund 16 Prozent mehr gegenüber der erst im April kommunizierten Spanne von 36 bis 40 Milliarden Euro. Die Bruttomarge soll auf 54 bis 56 Prozent steigen, nach zuletzt avisierten 51 bis 53 Prozent. Beide Zielwerte liegen deutlich über dem Analystenkonsens. Für das dritte Quartal erwartet ASML einen Umsatz zwischen 11,0 und 12,0 Milliarden Euro, bei einer Bruttomarge zwischen 55 und 57 Prozent.
Um die enorme Nachfrage bedienen zu können, plant ASML einen massiven Kapazitätsausbau: Die Produktionskapazität für so genannte EUV- und DUV-Systeme soll bis 2027 jeweils um rund 30 Prozent steigen. Für 2028 prüft der Konzern eine weitere Steigerung in ähnlicher Größenordnung . Hinzu kommt der Ausbau des Service- und Upgrade-Geschäfts. Ein weiteres positives Signal: Die neue High-NA-Belichtungstechnologie wurde erstmals in einem Logikchip für die Massenproduktion eingesetzt. Durch den Einsatz dieser Technologie auf mehreren Fertigungsschichten des Intel-18A-Chips steigere ASML die Produktionsleistung seiner bereits installierten Anlagen und schaffe gleichzeitig die Grundlage für noch leistungsfähigere, kompaktere und flexiblere Chips der nächsten Generation, hieß es in einer Präsentation.
Die Reaktionen an den Finanzmärkten und unter Analysten fielen erwartungsgemäß positiv aus. JPMorgan bestätigt die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 1.900 Euro und betont, der angekündigte Kapazitätsausbau für 2027 und 2028 übersteige selbst die bis dato höchsten Markterwartungen. Goldman Sachs sieht den fairen Wert der Aktie bei 2.000 Euro und verweist auf die starke Auftragslage als Beleg für die strukturelle Wachstumsstory.
Fazit
ASML liefert Quartal für Quartal und legt die Messlatte immer höher. Solange der KI-Investitionszyklus intakt bleibt, wonach es derzeit aussieht, dürften die Niederländer von ihrer Sonderstellung als unverzichtbarer Ausrüster der Halbleiterindustrie profitieren können.
Enthält Material von dpa-AFX