Während die Commerzbank-Aktie erstmals erstmals unter den Wert der Unicredit-Offerte fällt, erläutert Filippo Aloatti, Head of Financials beim Vermögensverwalter Federated Hermes, das weitere Vorgehen von Unicredit.
Die Aktie der Commerzbank ist am Dienstag erstmals unter das Tauschangebot der italienischen Großbank Unicredit gefallen. Damit erscheint die Offerte der Italiener gemessen am reinen Tauschverhältnis erstmals attraktiv. Die reguläre Angebotsfrist ist am 16.6. abgelaufen, am 19.6. soll die Annahmequote mitgeteilt werden. Eine verlängerte Angebotsfrist könnte am 20.6. beginnen und bis 3. Juli laufen. Eine offizielle Mitteilung dazu gibt es noch nicht.
Die zuletzt von Unicredit veröffentlichte Annahmequote lag bei zwölf Prozent, obwohl das Angebot wirtschaftlich nicht attraktiv war. Der Bund, der noch zwölf Prozent der Commerzbank-Aktien hält, bekräftigte am Dienstag seine ablehnende Haltung gegenüber einer Übernahme durch Unicredit, die als feindlich eingestuft wird.
Unicredit wiederum betonte, dass sie mit einem Aktienanteil von 26,77 Prozent und den eingetauschten Commerzbank-Aktien bereits auf eine Hauptversammlungs-Mehrheit komme. Damit könne der Commerzbank-Aufsichtsrat ausgetauscht und damit auch der Commerzbank-Vorstand abgesetzt werden. Die Commerzbank wiederum verwies darauf, dass der Bund sich als Großaktionär das Recht gesichert habe, stets zwei Aufsichtsräte in die Commerzbank zu entsenden.
Unterdessen erläuterte Filippo Aloatti, Head of Financials beim Vermögensverwalter Federated Hermes, das weitere Vorgehen von Unicredit. „Die anhaltenden Spekulationen rund um das Übernahmeangebot sowie das öffentliche Säbelrasseln zwischen den beiden Managementteams sind zwar medienwirksam und sorgen für Aufmerksamkeit, dürften jedoch letztlich eher als Nebenschauplatz zu bewerten sein“, so Aloatti. UniCredit habe beim Tauschangebot die angestrebte Schwelle von 30 Prozent deutlich überschritten und liege nun vermutlich knapp unter 50 Prozent.
Fazit
„UniCredit-CEO Andrea Orcel und sein Team dürften den Prozess so steuern, dass eine Vollkonsolidierung vermieden wird. Denn bei Minderheitsbeteiligungen müssen zwar sämtliche risikogewichteten Aktiva in die Bilanz aufgenommen werden, nicht jedoch das gesamte Kapital. Eine Vollkonsolidierung wiederum würde die Kapitalquote erheblich belasten. Ohne diesen Schritt erzielt die Mailänder Bank die beste Kapitalrendite. Frühere Prognosen zeigten: Ein Kontrollszenario hätte die harte Kernkapitalquote um 280 Basispunkte reduziert“, erläutert Aloatti.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.