Harte Zeiten für Bayer-Aktionäre: Mitte Februar schien noch die 50-Euro-Marke in Reichweite, nachdem Anleger auf ein Ende des Glyphosat-Debakels hofften. Zudem schienen Studiendaten zum Blutgerinnungshemmer Asundexian vielversprechend. Doch der Iran-Krieg und der Ausblick des Agrarchemiekonzerns auf das laufende Geschäftsjahr beenden den Erholungsversuch.
Die Reaktion an der Börse auf die Zahlen 2025 sowie auf die Prognose der Leverkusener fiel wenig schmeichelhaft aus: Die Aktie rutschte zeitweise auf das niedrigste Niveau seit dem Jahreswechsel ab.
Das abgelaufene Geschäftsjahr zeichnet ein zwiegespaltenes Bild. Der Umsatz des DAX-Mitglieds sank um 2,2 Prozent und landete bei 45,58 Milliarden Euro, was hauptsächlich ungünstigen Wechselkursen geschuldet war. Klammert man diese sowie Portfolioeffekte heraus, ergibt sich ein kleines organisches Wachstum von 1,1 Prozent. Das bereinigte Ebitda fiel um 4,5 Prozent auf 9,67 Milliarden Euro, übertraf aber immerhin die durchschnittlichen Analystenerwartungen leicht.
Soweit die guten Nachrichten. Denn unter dem Strich steht ein Nettoverlust von knapp 3,6 Milliarden Euro, rund eine Milliarde mehr als im Vorjahr. Verantwortlich dafür sind einmal mehr die teuren Rechtsstreitigkeiten in den USA rund um den Unkrautvernichter Glyphosat und die Umweltchemikalie PCB.
Enthält Material von dpa-AFX
Für 2026 kalkuliert Finanzvorstand Wolfgang Nickl mit Erlösen zwischen 44 und 46 Milliarden Euro sowie einem bereinigten operativen Ergebnis von 9,1 bis 9,6 Milliarden Euro, auf Basis der Wechselkurse vom Jahresende 2025. Damit würde das Ebitda gegenüber dem Vorjahr nochmals leicht sinken, während der Analystenkonsens bisher ein kleines Plus eingepreist hatte.
In Bezug auf den Iran-Krieg sieht der Finanzchef derzeit keine größeren Beeinträchtigungen für das Geschäft, man beobachte die Situation aber weiter sehr genau und stehe in engem Austausch mit den Mitarbeitern vor Ort, hieß es.
JPMorgan und Barclays erwarten nun Korrekturen an den Marktschätzungen von bis zu vier Prozent, wenngleich der Großteil auf Währungseffekte entfällt. Goldman Sachs hält derweil an der Kaufempfehlung für die Bayer-Aktie mit Kursziel 54,50 Euro fest.
Beim freien Cashflow erwartet Bayer 2026 einen Wert zwischen minus 1,5 und minus 2,5 Milliarden Euro. Hintergrund sind Auszahlungen für juristische Einigungen von rund fünf Milliarden Euro, die das DAX-Unternehmen bereits publik gemacht hatte. In der Folge dürfte die Nettoverschuldung von zuletzt knapp 29,8 Milliarden auf 32 bis 33 Milliarden Euro steigen.
„Der Ausblick sagt viel über die derzeitige strategische Position des Unternehmens aus: Es gibt starke Anzeichen für Fortschritt, wir arbeiten aber noch an unserem umfassenden Turnaround. Wir kommen überall im Unternehmen deutlich voran, wissen aber sehr genau, was in den unterschiedlichen Bereichen noch zu tun ist“, kommentierte Bayer-Chef Bill Anderson.
Im Zentrum der Unsicherheit steht weiterhin der angestrebte Sammelvergleich in der Glyphosat-Causa. Mitte Februar hatte Bayer eine Einigung in Aussicht gestellt, doch die ist noch nicht in trockenen Tüchern: Ein zuständiges Gericht muss zustimmen, und nahezu alle Kläger müssen den Deal annehmen.
Parallel wartet Bayer auf ein möglicherweise wegweisendes Grundsatzurteil des US Supreme Courts im Fall „Durnell", das noch im Juni erwartet wird. Es soll klären, ob bundesweite Zulassungsregeln für Pestizide einzelstaatliche Klagemöglichkeiten aushebeln können. Bis dahin bleibt die Lage für Anleger das, was sie seit Monaten ist: offen.
Fazit
Das Damoklesschwert der Glyphosat-Problematik hängt weiterhin über Bayer. Anleger beobachten die weitere Entwicklung.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bayer.