Die Hoffnung auf einen Chemieaufschwung war etwas verfrüht: Die Erholungsrally des MDAX-Mitglieds Lanxess endet heute vorerst mit einem dramatischen Absturz. Ausgerechnet der Krieg im Nahen Osten hatte europäischen Chemieaktien zuletzt eine bemerkenswerte Kursrally beschert. Warum die Wette noch nicht aufgeht
Die Eskalation rund um den Iran brachte die Lieferketten der asiatischen Konkurrenz durcheinander: beste Voraussetzungen für heimische Anbieter, höhere Preise durchzusetzen. Die Kölner erzielten dennoch im ersten Quartal einen Umsatz von 1,38 Milliarden Euro, 14 Prozent weniger als vor einem Jahr. Das bereinigte Ebitda brach um fast 30 Prozent auf 94 Millionen Euro ein, die Marge schrumpfte von 8,3 auf 6,8 Prozent.
Unter dem Strich steht ein Nettoverlust von 141 Millionen Euro, deutlich mehr als die 57 Millionen Euro Minus im Vorjahreszeitraum. Ein schwaches Marktumfeld, Preisdruck aus Asien und Wechselkurs-Gegenwind gehörten zu den Belastungsfaktoren.
CEO Matthias Zachert gab sich unterdessen vorsichtig optimistisch: „Der Jahresstart war schwach, aber seit März sehen wir ein leicht positives Momentum.“ Kunden wendeten sich wieder stärker europäischen Anbietern zu, Lieferfähigkeit sei derzeit ein bedeutender Wettbewerbsvorteil, so der Konzernlenker.
Für das zweite Quartal stellt der Manager zwar eine Erholung beim operativen Ergebnis auf 130 bis 150 Millionen Euro in Aussicht. Die Jahresprognose von 450 bis 550 Millionen Euro wurde bestätigt.
Doch der Börse reichte das nicht, die Aktie stürzte zweistellig ab. JP Morgan sieht den Ausblick für das zweite Jahresviertel 25 Prozent unter der eigenen Erwartung, belässt Lanxess aber auf „Overweight“ mit Kursziel 18 Euro. Derweil mahnte Goldman Sachs, dass der Spezialchemiekonzern im zweiten Halbjahr spürbar zulegen müsse, um die eigenen Jahresziele zu erreichen.
Fazit
Das Ausweichen der Kundschaft auf heimische Anbieter dürfte nicht von Dauer sein. Von einem nachhaltigen Aufschwung ist Lanxess noch weit entfernt. Dazu passt, dass laut dem Münchner Ifo-Institut das Geschäftsklima der Chemiebranche so schlecht ist wie zuletzt vor fast drei Jahren. Investoren bleiben vorerst besser an der Seitenlinie.
Enthält Material von dpa-AFX